Neugründung oder Umzug: Beides sind große Schritte – und gleichzeitig eine echte Chance. Gleichzeitig stellen sich viele Fragen: Wo fangen wir an? Was kostet es? Wie nehmen wir das Team mit? Hier findet ihr Orientierung und konkrete Hilfestellungen von der ersten Idee bis zur Eröffnung.
Welthaus Nürtingen
Das Weltladen-Team beim Umzug des Weltladens in Nürtingen.
Mit unserer Handreichung „Umzug gut meistern" begleiten wir euch durch den gesamten Prozess: von der Entscheidungsfindung über Mietrecht, Finanzen und Ladengestaltung bis hin zur Wiedereröffnung am neuen Standort. Die Handreichung ist modular aufgebaut – ihr könnt gezielt in die Kapitel einsteigen, die gerade relevant sind, und praktische Checklisten als schnelle Arbeitshilfe nutzen. Sie richtet sich an alle Weltläden, die einen Umzug planen oder bereits mitten drin stecken. Unten im Download-Bereich findet ihr ergänzend zur Handreichung einige Musterübersichten zum Ausfüllen.
Die Handreichung eignet sich auch für die Planung von Weltladen-Neugründungen.
1. Lohnt sich der Umzug? – Entscheidungsgrundlagen
Ein Umzug entsteht selten aus einer spontanen Idee. Typische Auslöser sind Mieterhöhungen, eine Kündigung durch den Vermieter, Platzmangel oder sinkende Laufkundschaft. Bevor ihr konkret sucht, lohnt es sich, gemeinsam zu klären, welche Mindestanforderungen ein neuer Standort erfüllen muss – und wo eure roten Linien liegen: Wann ist ein Standort trotz aller Hoffnungen wirtschaftlich oder organisatorisch nicht tragfähig? Eine klare Antwort darauf schützt euch davor, im Eifer der Suche Kompromisse einzugehen, die ihr später bereut.
→ Mehr dazu in Kapitel 1 der Handreichung
2. Ladengestaltung am neuen Standort
Ein Umzug ist die beste Gelegenheit, den Laden neu zu denken – nicht nur räumlich, sondern auch in Bezug auf Sortiment, Zielgruppen und Außenwirkung. Investiert Zeit in die Planung, bevor die ersten Regale aufgebaut werden, denn was einmal steht, wird selten noch einmal grundlegend verändert. Denkt dabei an:
Zielgruppen und Sortiment am neuen Standort
Grundrissplanung und Wegeführung
Mobiliar, Beleuchtung und Barrierefreiheit
Außenauftritt und Schaufenster
Wir unterstützen euch euch mit Gestaltungsvorlagen und Werbematerialien.
Ein realistischer Umzugsprozess umfasst in der Regel 12 bis 18 Monate – von der ersten Standortsuche bis zur Wiedereröffnung. Wer kurzfristig handeln muss, braucht umso klarere Zuständigkeiten. Wichtig ist auch, den laufenden Betrieb während der Planungsphase aufrechtzuerhalten – das erfordert eine bewusste Rollenverteilung zwischen Ehren- und Hauptamtlichen. Und: Plant frühzeitig eine Auswertungsrunde drei bis sechs Monate nach dem Umzug ein – und vergesst nicht, den Umzug auch zu feiern.
→ Mehr dazu in Kapitel 3 der Handreichung | Muster-Zeitplan im Download-Bereich
4. Rechtliches & Finanzielles
Von Kündigungsfristen über Mietvertragsgestaltung bis zur Kostenkalkulation – das rechtliche und finanzielle Fundament eines Umzugs verdient besondere Sorgfalt. Kalkuliert nicht nur die Umzugskosten, sondern auch die laufenden Kosten am neuen Standort: Wie entwickelt sich der Umsatz in der Anlaufphase? Wie stellt ihr eine realistische Umsatzerwartung auf – ohne Blick in die Glaskugel? Die Handreichung zeigt konkrete Methoden dafür. Außerdem wichtig:
Arbeitssicherheit am neuen Standort: Brandschutz, Fluchtwege, Erste Hilfe
→ Mehr dazu in Kapitel 4 der Handreichung | Muster-Kostenübersicht und Liquiditätsplanung im Download-Bereich
Finanzierung eines Umzugs – einige Ideen
Umzugs-Gutscheine: Diese Idee stammt aus der Praxis eines Weltladens: Kund*innen erwerben Gutscheine im bisherigen Laden, die erst nach der Neueröffnung am neuen Standort eingelöst werden können. So wird Kapital gesichert und die Kundschaft aktiv mitgenommen.
Crowdfunding und Sponsoring: Crowdfunding kann eine gute Möglichkeit sein, den Umzug öffentlich zu machen und finanziell zu unterstützen. Ein Beispiel ist die erfolgreiche Kampagne des Weltladens Oberursel.
Zuschüsse & Förderprogramme: Erkundigt euch zu Möglichkeiten der Wirtschaftsförderung durch eure Kommune, länderspezifische Programme, Stiftungen etc.
Darlehen aus dem Umfeld von Mitgliedern, Stammkund*innen oder Unterstützer*innen
Sachspenden oder Unterstützungsleistungen, z. B. beim Umzug oder Ladenausbau
Übrigens könnt ihr bei einem Umzug eine Reduktion des umsatzabhängigen Mitgliedsbeitrages um 30 % für ein Jahr bei uns beantragen.
Weltläden, die im Zuge eines Umzugs modernisieren, erhalten zudem bei einigen der anerkannten Lieferanten besonders günstige Konditionen und weitere Hilfestellungen.
5. Anpassungen in Ladenteam & Organisation
Was am alten Standort gut funktioniert hat, muss am neuen nicht automatisch passen. Öffnungszeiten, Schichtplanung und Aufgabenverteilung sollten bewusst neu gedacht werden – nicht im Stress des Umzugs, sondern in Ruhe danach. Ein Umzug kann auch dazu führen, dass einzelne Ehrenamtliche ihr Engagement beenden. Geht offen damit um, sorgt für eine würdevolle Verabschiedung und federt den Wissensverlust ab, bevor jemand geht. Gleichzeitig kann ein neuer Standort neue Engagierte anziehen – nutzt die Eröffnung aktiv dafür.
→ Mehr dazu in Kapitel 5 der Handreichung
6. Kommunikation nach außen
Ein Umzug ist ein kommunikativer Moment – nutzt ihn. Kundinnen, Lieferantinnen und Partner*innen sollten frühzeitig informiert werden, damit keine Verunsicherung entsteht. Gleichzeitig bietet die Wiedereröffnung die Chance für Pressearbeit, eine Eröffnungsveranstaltung und einen erneuerten Auftritt in den sozialen Medien. Unterschätzt dabei nicht den organisatorischen Aufwand der Ummeldungen – von Finanzamt und Vereinsregister über Kassensystem und Kartenterminal bis hin zu Website, Google Maps und Social-Media-Accounts. Klärt frühzeitig, wer im Team Zugriff auf welche Accounts und Systeme hat.
Ein Umzug oder eine Neugründung bieten die perfekte Gelegenheit, den Weltladen so zu gestalten, dass eure Marke, also euer Name und eure Botschaften in eurem Laden sichtbar werden. Das ist essenziell, um Kund*innen zu binden und neue Kund*innen zu gewinnen. Euer Weltladen soll in aller Munde sein. Dafür muss euer Name und das wofür ihr steht, nicht nur vor dem Laden sichtbar sein, sondern auch in eurem Laden.
Auf unserer Bestellseite findet ihr praktische Ladenelemente, die euren Markennamen und eure Botschaften im Laden sichtbar platzieren. So bieten zum Beispiel die Tresenboxen moderne Möglichkeiten, die Wandfläche hinter eurem Tresen für das Wichtigste, also euch, zu nutzen. Dort wo Kund*innen darauf warten, den Bezahlvorgang abzuschließen, ist der ideale Ort, um noch einmal für euch Webrung zu machen.
Neben den Tresenboxen gibt es aber auch noch viele weitere innovative Materialien, mit denen ihr euren Namen und eure Botschaften im Weltladen anschaulich platzieren könnt.
Wer einen Weltladen neu gründet, steht vor ähnlichen Fragen wie beim Umzug: Welcher Standort passt zu unseren Zielgruppen? Wie gestalten wir den Laden? Wie planen wir Finanzen, Team und Kommunikation? Viele Kapitel dieser Handreichung sind daher auch für Neugründungen eine hilfreiche Grundlage.
Zusätzlich kommen bei einer Neugründung einige Themen hinzu, die beim Umzug keine Rolle spielen:
Rechtsform wählen: Welche Organisationsform passt – eingetragener Verein, GmbH, Genossenschaft? Das hat Auswirkungen auf Haftung, Gemeinnützigkeit und die Möglichkeit, Fördermittel zu beantragen.
Mitglieder und Unterstützer*innen gewinnen: Eine breite Basis von Anfang an ist entscheidend – für die Finanzierung, aber auch für Ehrenamt und Rückhalt in der Gemeinschaft.
Startkapital sichern: Wie hoch ist der Kapitalbedarf? Woher kommt das Startkapital?
Vernetzung: Die Mitgliedschaft im Weltladen-Dachverband ist für Neumitglieder zu einem Schnupperpreis möglich – und öffnet den Zugang zu Beratung, Lieferantenkatalog und Netzwerk.
In vielen Regionen bieten zurzeit 18 Fair-Handels-Berater*innen umfangreiche Beratungsleistungen an. Sie sind erste Anlaufstelle für Beratungsanfragen von Weltläden.
Der Weltladen-Dachverband berät Weltläden insbesondere in Regionen, in denen es keine Fair-Handels-Beratung gibt.
Die Industrie- und Handelskammern vor Ort stellen Informationen für Gründer*innen zur Verfügung und bieten regelmäßig Seminare an.