Weltläden haben ein besonderes Sortiment. Dahinter stehen die Grundsätze des Fairen Handels. Zudem punkten Weltläden mit außergewöhnlichen, schönen und praktischen Dingen. Beides zusammen zeigt die Vielfalt und die Kompetenzen unserer Handelspartner.
Weltladen-Dachverband/luleyfoto
Mit welchem Sortiment möglichst viele Kund*innen erreicht werden können, ist eine Frage und Aufgabe, die alle Einzelhandelsgeschäfte betrifft. Weltläden haben mit ihrem Anspruch, ausschließlich Produkte aus Fairem Handel anzubieten, noch ein zusätzliches Kriterium für ihren Einkauf.
Inhaltliche Auswahlkriterien
Wesentliche inhaltliche Grundlage für die Auswahl von Lieferanten ist der Lieferantenkatalog des Weltladen-Dachverbandes. Für Mitglieder des Verbandes ist seine Beachtung verbindlich. Die im Lieferantenkatalog aufgeführten Anbieter wurden durch den Verband daraufhin überprüft, ob ihr Handeln der Konvention der Weltläden entspricht. So soll sichergestellt werden, dass Kund*innen im Weltladen verlässlich Produkte aus Fairem Handel finden. Das Sortiment kann in einem sinnvoll durch sog. Ergänzungsprodukte erweitert werden. Dazu gehören z.B. Produkte aus sozialverträglicher und ökologischer, insbesondere regionaler, Herstellung oder Bücher, Tonträger und Druckerzeugnisse (z.B. Broschüren, Postkarten).
Die konkrete Auswahl von Sortimenten hängt von den räumlichen Gegebenheiten, aber auch vom Standort und der Zielgruppe des Weltladens ab. Nicht alles, was Lieferanten an schönen Dingen anbieten, ist sinnvoll im eigenen Weltladen-Sortiment.
Wenn beispielsweise kein Platz für eine Umkleidekabine vorhanden ist, ist die Aufnahme von Fashion wenig sinnvoll, es können aber Accessoires wie Tücher, Schals, Mützen und Socken angeboten werden.
Das Platzangebot - insbesondere die Möglichkeit, Neuheiten oder hochwertige Produkte gut in Szene setzen zu können - entscheidet mit über ihre Aufnahme ins Sortiment. Gibt es entsprechende Sonderpräsentationsflächen im Laden? Wie groß und prominent ist das Schaufenster? Und: wenn ich neue Artikel aufnehme, welche verlassen dann das Sortiment?
Der Standort des Weltladens bestimmt wesentlich die Zielgruppe, die der Weltladen erreicht oder erreichen kann. Jeder Weltladen hat allein durch Standort, Ladengestaltung und Sortimentsauswahl eine implizite Zielgruppe, auch wenn nie darüber gesprochen wurde. Wer keine Zielgruppen bestimmt, überlässt es so dem Zufall, wen das Sortiment im Weltladen anspricht. Sinnvoller ist, in regelmäßigen Abständen darüber nachzudenken, wer die Zielgruppe des Weltladens ist und was diese im Weltladen sucht bzw. mit welchen Produkten diese Zielgruppe(n) ansprechbar wäre(n).
Fragen zur Weiterarbeit:
Lage (Laufkundschaft oder nur Stammkundschaft? Wer wohnt im Umkreis? Wer ist hier unterwegs?),
Öffnungszeiten (Sprechen wir berufstätige Menschen an? Muss man gezielt vorbeikommen?)
Größe (Genug Platz für mehr als eine Hauptzielgruppe?)
Ladengestaltung (Welchen Stil hat das Regalsystem, haben Wände, Böden und Beleuchtung?)
Bei Sortimenten entscheidet man zwischen Tiefe und Breite
breites Sortiment: viele verschiedene Warengruppen. Also Taschen, Tücher, Körbe, Geschirr, Kaffee, Tee, Honig, ...
tiefes Sortiment: große Auswahl verschiedener Artikel innerhalb einer Warengruppe. Also viele verschiedene Taschen oder Tüchern, zehn verschiedene Teesorten, …
Es sollte bei jedem Thema ein Basissortiment und ein Zusatzsortiment geben.
Das Basissortiment gibt es immer. Hier kann noch zwischen einer großen Auswahl (Fachgeschäft!) und einer mittleren Auswahl (ich werden fündig) unterschieden werden.
Das Zusatzsortiment wird saisonal (Ostern, Weihnachten, Jahreszeiten, besondere Ereignisse) oder für einen definierten Zeitraum (je nach Produkt zw. 4 Wochen und 6 Monate) zum Test angeboten (nach Auswertung dauerhaft rein oder wieder raus aus dem Sortiment).
Anteile Food und Non-food-Anteil
Ziel jedes Weltladens sollte es sein, beim Non-food-Sortiment einen Umsatzanteil von über 50 % des Gesamtumsatzes zu erreichen. Damit kann sich der Weltladen profilieren und von Mit-Anbietern wie Supermärkten deutlich abheben. Und Non-Food-Produkte haben eine deutlich höhere Handelsspanne als Lebensmittel. Das nützt dem Weltladen vor allem dann, wenn sich die ausgewählten Non-Food-Produkte entsprechend umschlagen.
Preisniveau
Das grundsätzliche Preisniveau der angebotenen Artikel ist abhängig von der Zielgruppe des Weltladens. Dabei ist zu beachten, dass die meisten Menschen zu "mittelpreisigen" Produkten „der Mittelklasse“ oder zum „günstigeren“ Produkt greifen. Innerhalb einzelner Warengruppen sollte deshalb möglichst auf unterschiedliche Preisniveaus geachtet werden. Einzelne hochpreisige Artikel können den Absatz mittelpreisiger Produkte deutlich erhöhen, auch wenn sie selbst eher selten verkauft werden.
Arbeitsaufteilung
Es sollte in jedem Weltladen ein Sortimentsteam geben, dass regelmäßig gemeinsam über den Einkauf entscheidet und ihn aufeinander abstimmt. Auch die Abstimmung mit dem Dekoteam und den Zuständigen für Öffentlichkeitsarbeit ist sehr wichtig. Die Aufteilung der Arbeit sollte nie nach Lieferanten erfolgen, sondern immer nur nach Themen.
In vielen Regionen bieten zurzeit 18 Fair-Handels-Berater*innen umfangreiche Beratungsleistungen an. Sie sind erste Anlaufstelle für Beratungsanfragen von Weltläden.
Der Weltladen-Dachverband berät Weltläden insbesondere in Regionen, in denen es keine Fair-Handels-Beratung gibt.